Samstag, 22. Juli 2017
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Traditionell sangen im Gottesdienst nur Priester und Chöre. Dies änderte die Reformationsbewegung grundlegend, denn sie stützte sich sehr stark auf das gesungene Wort. So dichtete und komponierte Luther für seine Anhänger immer wieder eingängige Strophen zum Mitsingen. Damit sorgte er letztlich auch dafür, dass die Gesangbücher für die Gemeinden Verbreitung finden konnten. Das 500. Jubiläums-Jahr der Reformation begingen die Staatlichen Schlösser und Gärten mit der Musikreihe "Voller Klang auf dem Württemberg". Der Junge Chor Stuttgart war zu diesem Anlass am 2. Juli 2017 bei zwei Matinee-Konzerten in der Grabkapelle zu hören.

Für Martin Luther, der selbst auch ein leidenschaftlicher Sänger war, hatte das Buch der Psalmen eine sehr große Bedeutung. Er nannte es die „kleine Biblia“ und wies damit auf den umfassenden religiösen Reichtum der Psalter hin. Folglich begann der Chor seinen Auftritt mit einer effektreichen Vertonung der beiden Psalme 148 +121 (Lobet den Herrn vom Himmel her / Ich hebe meine Augen auf), die der österreichische Komponist Peter Planyavsky augenzwinkernd zum "Psalm 269" zusammenaddierte.

Eine weitere Luther-Dichtung präsentierte der Juco anschließend mit "Ein feste Burg ist unser Gott", bei dem auch die zu Grunde liegende Melodie als Werk des Reformators gilt, der damit seine Botschaften an Ohr und Herz der Zuhörer zu bringen suchte. Dies ist ihm bei diesem Stück vor allem mit der symbolreichen Sprache gelungen, die Gott als Schutz für die Ewigkeit sowie als Quell von Hoffnung und Vertrauen bietet. Dieses Identifikationslied aller Protestanten wurde von Heinrich Heine gar als "Marseillaise der Reformation" bezeichnet. Das vorgetragene Arrangement verfasste Hans Leo Hassler, der ca. ein halbes Jahrhundert nach Luthers Lebzeiten gewirkt hat.

Im Anschluss folgte "Die beste Zeit im Jahr ist mein", dessen Text ebenfalls aus der Feder Luthers stammte. Arnold Mendelssohn, ein bedeutender evangelischer Kirchenmusiker des 19./20. Jhd., komponierte die Melodie zu diesem Satz. Er gehörte der bekannten und ursprünglich jüdischen Familie Mendelssohn an; sein Vater war ein Cousin des berühmten Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Dennoch war er ein Anhänger der allgemeinen Taufe aller Juden und vertrat den Wunsch nach völliger Assimilation mit den christlichen Glaubensbrüdern.

Den Höhepunkt der Aufführung stellte das intensiv deklamierte "Ave Maria" dar. Manch ein Zuhörer mag verwundert gewesen sein über die Auswahl dieses Stücks ausgerechnet in einem Programms zu Ehren der Reformation. Doch Chorleiter Paul Theis erläuterte, dass Luther selbst auch Marienpredigten hielt und sie als Beispiel menschlicher Demut und Reinheit in seinen Schriften sehr schätzte. Mit dem beseelten und feierlichen Vortrag von Sergej Rachmaninovs Werk wurde außerdem noch ein Bezug zur russisch-stämmigen Königin von Württemberg und ihrer Grabkapelle hergestellt.

Die abschließende Vertonung des "Salmo 150" vom brasilianischen Komponisten Ernani Aguiar griff die Würdigung der Psalmen als das reichste Werk der biblischen Dichtung im lutherischen Sinn nochmals auf. Das Konzert endete mit einem prächtigen Fortissimo-Schlussakkord in der wirkungsvollen Akustik des Kuppelraums.

/AK

Programm "Frühlingsfrische Chormusik" im Nikolaus-Cusanus-Haus

Stuttgart Birkach, 13.Mai 2017

Thomas Morley                   Sing we and chant It

Orlando Gibbons                 The Silver Swan

Orlando di Lasso                 Matona Mia Cara

Franz Schubert                    Psalm 23 für Frauenchor

Robert Schumann                Romanzen und Balladen op. 75

Johannes Brahms                Zigeunerlieder op. 103

Percy Grainger                     Londonderry Air

Matyas Seiber                      There was an old man

Duke Ellington                      It don't mean a thing

O. Gies                                 O Täler weit (nach Mendelssohn)
.                                            Kuscheln...

Zuccalmaglio/Buchenberg   Kein schöner Land

/AK