Sonntag, 19. November 2017
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"Best of 50 Jahre Juco"- so lautete das Motto am 8.7.2017 für das Jubiläumskonzert des Jungen Chors Stuttgart e.V. (Juco). Die schwüle Hitze an jenem Samstag bot nicht gerade ideale Bedingungen für diesen besonderen Anlass... und dennoch versammelten sich zahlreiche Zuhörer im immerhin wohl klimatisierten Rudi-Häussler-Saal des Bürgerforums in Stuttgart-Vaihingen, darunter waren auch viele Fans und Ehemalige des Chores.

Ein halbes Jahrhundert Juco! Natürlich sollte das Konzert v.a. dazu dienen, die Reise des Ensembles von 1967 bis 2017 sowohl musikalisch als auch anekdotisch nachzuzeichnen. Christine Reber, seit einigen Jahren als Stimmbildnerin für viele Chorsänger tätig, moderierte mit charmanten Ansagen durch das Programm und brachte das Publikum mit wohl-pointierten Kurzgeschichten aus der Juco-Historie zum Schmunzeln. So assistiert, konnte sich Chorleiter Paul Theis diesmal ausschließlich auf das Dirigat und die tlw. sehr anspruchsvolle Klavierbegleitung konzentrieren.
Das musikalische Programm stellte natürlich die gesamte Bandbreite des Chor-Repertoires in den Mittelpunkt, bestehend aus geistlichen und weltlichen Stücken unterschiedlichster Epochen, d.h. sowohl "alter" klassischer Werke als auch "neuer", modernerer Arrangements.

Ein frischer Konzertauftakt gelang mit Thomas Morleys "Sing we and chant it". Dieses Stück befand sich u.a. bereits im Gepäck der Chor-Reise von vor über zehn Jahren nach Irland. Das folgende Werk "Matona mia cara" von Orlando di Lasso ist nunmehr ein wahrer Juco-Klassiker geworden, der ebenfalls schon auf Reisen zu hören war - in diesem Fall am Gardasee. Es handelt von einem armen deutschen Landser-Tropf, der leider wenig charmant, sondern eher recht plump und noch dazu in schlechtem Italienisch seine Angebetete 'herumzukriegen' versucht.

Der Programmabschnitt der geistlichen Stücke wurde vom "Psalm 23" eingeleitet, der von Franz Schubert für Frauenchor geschrieben wurde. Mit einer einfühlsamen Interpretation über Hoffnung und Trost und einem sauberen, transparenten Klang unterstrichen die Juco-Damen die Aussagekraft dieser Komposition. Auch beim anschließenden Spiritual "Soon ah will be done" kam der eindringliche Wunsch nach Überwindung der "Troubles of the World" mit Gottes Hilfe zum Ausdruck. Der Zyklus der geistlichen Werke wurde mit der Aufführung des "Psalms 269" beschlossen, in welchem der Wiener Komponist Peter Planyavsky die beiden Psalme 148 +121 (Lobet den Herrn vom Himmel her / Ich hebe meine Augen auf) - etwas ironisch - einfach zusammenaddiert hat. Auch hier setzte der Chor die effektreiche Vertonung gekonnt und mit großer Feinfühligkeit um.

Die nächste Station auf der Reise durch die Juco-Musikgeschichte war die Romantik. Bei diesem Programmteil sowie im weiteren Konzertverlauf bewies der Chor mit 8 Solisten (Alexandra, Jasmin, Ines, Anke, Ben, Sebastian, Matthias und Manuel) aus den eigenen Reihen sehr eindrucksvoll, dass er bezüglich wohlklingender Stimmen aus dem Vollen schöpfen kann. Zunächst stand Schumanns "Zigeunerleben" auf dem Programm, ein wahrer Evergreen des Juco-Repertoires. Sowohl die Solisten als auch der Chor brachten die in der Komposition vertonte Bewunderung und geheimnisvolle Faszonation für dieses fahrende Volk sehr gut zum Ausdruck. Erstmalig im Repertoire waren Stücke aus Schumanns Romanzen und Balladen zu hören: Zuerst "Der Rekrut", in dem die Tapferkeit von einem Jung-Soldaten namens "Johnnie" besungen wird, gefolgt von den beiden melancholischen Kompositionen "Der traurige Jäger" und "Im Walde". Den Ausflug in die Romantik beendeten die temperamentvollen "Zigeunerlieder" von Brahms, die ebenfalls zum traditionellen Juco-Fundus zählen. Hierbei konnte nicht nur der Juco, sondern auch Chorleiter Paul Theis sein Können unter Beweis stellen, denn ihm gelang die z.T. äußerst virtuose Begleitung am Flügel bei gleichzeitigem Chor-Dirigat bestens... Respekt! Und da sage noch einer, Männer seien nicht zum Multi-Tasking fähig... :-)

Dass sich der Juco auch in der Musik der Neuzeit zuhause fühlt, zeigte er u.a. mit dem wehmütigen Stück "And so it goes" von Billy Joel und dem bekannten 80er-Jahre-Hit "Mambo" von Herbert Grönemeyer, welcher von der erfolglosen Suche nach einem Parkplatz in brütender Sommerhitze erzählt und den Protagonisten damit reichlich aus der Fassung bringt. Oliver Gies als (auch im Juco!) beliebtem Arrangeur wurde mit seiner Cross-Over-Variante von Mendelssohns "O Täler weit" gedacht sowie mit seiner überraschend philosophischen Komposition "Kuscheln, Sex und Händchenhalten". Besonders die Männer sorgten bei beiden Stücken für einen spürbaren "Groove".
Zum Tribut an die folkloristische Musik als einem ursprünglichen Repertoire-Schwerpunkt in der Chor-Geschichte wurde eine träumerische Variante des Volkslieds "Kein schöner Land" zum Besten gegeben. Mit swingenderen Klängen verabschiedete sich der Chor erst mit Duke Ellingtons "It don't mean a thing" von seinen Zuhörern und durfte anschließend bei der Zugabe des originellen "Salmo 150" vom brasilianischen Komponisten Ernesto Aguiar noch einmal 'Gas geben' und pure Lebensfreude zeigen.

Tatsächlich konnte der Juco einmal mehr seine Vielfalt unter Beweis stellen. Mehr noch: Das Publikum bestätigte Beifall klatschend, dass genau dies das Einmalige am Juco ist: wie selbstverständlich den Bogen von weltlich über geistlich, von di Lasso und Brahms bis hin zu Grönemeyer zu spannen! Gratulation an das Ensemble und vor allem an Chorleiter Paul Theis für diese sehr ansprechende und v.a. abwechslungsreiche Aufführung!

Der "Apres-Chor" wurde zunächst mit einer würdigenden Rede des Leiters vom Stuttgarter Chorverband, Jürgen Grieb, eröffnet. Die anschließende Feier in familiärer Atmosphäre, die von vielen aktiven Helfern fleißig organisiert wurde, gestalteten die beiden Vorstände Silke und Matthias sehr unterhaltsam und rundeten damit die Veranstaltung zu einem sehr gelungenen Abend ab. Allen Beteiligten hat es offensichtlich sehr viel Spaß gemacht! Der Juco bedankt sich herzlich bei allen Besuchern und Spendern.

/AK

Traditionell sangen im Gottesdienst nur Priester und Chöre. Dies änderte die Reformationsbewegung grundlegend, denn sie stützte sich sehr stark auf das gesungene Wort. So dichtete und komponierte Luther für seine Anhänger immer wieder eingängige Strophen zum Mitsingen. Damit sorgte er letztlich auch dafür, dass die Gesangbücher für die Gemeinden Verbreitung finden konnten. Das 500. Jubiläums-Jahr der Reformation begingen die Staatlichen Schlösser und Gärten mit der Musikreihe "Voller Klang auf dem Württemberg". Der Junge Chor Stuttgart war zu diesem Anlass am 2. Juli 2017 bei zwei Matinee-Konzerten in der Grabkapelle zu hören.

Für Martin Luther, der selbst auch ein leidenschaftlicher Sänger war, hatte das Buch der Psalmen eine sehr große Bedeutung. Er nannte es die „kleine Biblia“ und wies damit auf den umfassenden religiösen Reichtum der Psalter hin. Folglich begann der Chor seinen Auftritt mit einer ideenreichen Vertonung der beiden Psalme 148 +121 (Lobet den Herrn vom Himmel her / Ich hebe meine Augen auf), die der österreichische Komponist Peter Planyavsky augenzwinkernd zum "Psalm 269" zusammenaddierte.

Eine weitere Luther-Dichtung präsentierte der Juco anschließend mit "Ein feste Burg ist unser Gott", bei dem auch die zu Grunde liegende Melodie als Werk des Reformators gilt, der damit seine Botschaften an Ohr und Herz der Zuhörer zu bringen suchte. Dies ist ihm bei diesem Stück vor allem mit der symbolreichen Sprache gelungen, die Gott als Schutz für die Ewigkeit sowie als Quell von Hoffnung und Vertrauen bietet. Dieses Identifikationslied aller Protestanten wurde von Heinrich Heine gar als "Marseillaise der Reformation" bezeichnet. Das vorgetragene Arrangement verfasste Hans Leo Hassler, der ca. ein halbes Jahrhundert nach Luthers Lebzeiten gewirkt hat.

Im Anschluss folgte "Die beste Zeit im Jahr ist mein", dessen Text ebenfalls aus der Feder Luthers stammte. Arnold Mendelssohn, ein bedeutender evangelischer Kirchenmusiker des 19./20. Jhd., komponierte die Melodie zu diesem Satz. Er gehörte der bekannten und ursprünglich jüdischen Familie Mendelssohn an; sein Vater war ein Cousin des berühmten Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Dennoch war er ein Anhänger der allgemeinen Taufe aller Juden und vertrat den Wunsch nach völliger Assimilation mit den christlichen Glaubensbrüdern.

Den Höhepunkt der Aufführung stellte das intensiv deklamierte "Ave Maria" dar. Manch ein Zuhörer mag verwundert gewesen sein über die Auswahl dieses Stücks ausgerechnet in einem Programms zu Ehren der Reformation. Doch Chorleiter Paul Theis erläuterte, dass Luther selbst auch Marienpredigten hielt und sie als Beispiel menschlicher Demut und Reinheit in seinen Schriften sehr schätzte. Mit dem beseelten und feierlichen Vortrag von Sergej Rachmaninovs Werk wurde außerdem noch ein Bezug zur russisch-stämmigen Königin von Württemberg und ihrer Grabkapelle hergestellt.

Die abschließende Vertonung des "Salmo 150" vom brasilianischen Komponisten Ernani Aguiar griff die Würdigung der Psalmen als das reichste Werk der biblischen Dichtung im lutherischen Sinn nochmals auf. Das Konzert endete mit einem prächtigen Fortissimo-Schlussakkord in der wirkungsvollen Akustik des Kuppelraums.

/AK

Programm "Frühlingsfrische Chormusik" im Nikolaus-Cusanus-Haus

Stuttgart Birkach, 13.Mai 2017

Thomas Morley                   Sing we and chant It

Orlando Gibbons                 The Silver Swan

Orlando di Lasso                 Matona Mia Cara

Franz Schubert                    Psalm 23 für Frauenchor

Robert Schumann                Romanzen und Balladen op. 75

Johannes Brahms                Zigeunerlieder op. 103

Percy Grainger                     Londonderry Air

Matyas Seiber                      There was an old man

Duke Ellington                      It don't mean a thing

O. Gies                                 O Täler weit (nach Mendelssohn)
.                                            Kuscheln...

Zuccalmaglio/Buchenberg   Kein schöner Land

/AK