Freitag, 16. November 2018
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2017 - 2018 PDF Drucken E-Mail

 


Der JUCO in Hamburg

Stuttgart grüßt Hamburg mit Schütz und Grönemeyer – So das Motto der diesjährigen Chorreise des JuCos nach Hamburg.


Ein straffes Programm erwartete uns in Hamburg. Nach einer holprigen Anreise mit Flugausfällen und Zugverspätungen waren am späten Donnerstagabend endlich alle angekommen. Der erste Programmpunkt war eine Segway-Tour durch Hamburg.

Am Abend gab es dann das erste gemeinsame Essen im Panthera Rodizio nahe dem Hafen. Die verschiedensten Fleischsorten wurden am Spieß durch charmante Kellner serviert und von zahlreichen Beilagen begleitet. Die brasilianische Atmosphäre wurde durch typisch brasilianische Desserts und Vorspeisen sowie durch eine Liveband, die durch das Restaurant wanderte, unterstützt.

Nach dem Essen ging es gleich weiter zu den Landungsbrücken. Mit zwei lustigen und unterhaltsamen Kapitänen ging es für den JuCo auf der Elbe durch die Lichter der Speicherstadt und des Hafens. Riesige Containerschiffe waren zu sehen und sogar eine 800 Millionen Euro Yacht.
Auch wenn der ein oder andere sehr unter der Hitze des Tages gelitten hatte, genossen wir nun den lauen Sommerabend auf der Barkasse.

Der nächste Tag startete mit dem leckeren Frühstück im Hostel. Danach ging es zur Stadtführung, die am Rathausplatz begann. Quer durch die Stadt ging es vorbei am Nicolaiturm, am alten Marktplatz und dem alten Rathaus. Außerdem gingen wir durch die älteste Gasse Hamburgs in der das verheerende Feuer 1842 ausgebrochen war. Alles Orte, die von Zerstörung durch Kriege und Brände zeugen.

Danach ging es weiter zu einem tollen Ausblick auf die „Äpfel“-Harmonie, wie zwei Schweizerinnen „Elbphilharmonie“ verstanden hatten. Die Endstation war die St. Michaeliskirche (der Michel), die mit drei Orgeln und einem Fernwerk ausgestattet ist. Hier haben die Norddeutschen gestohlen, denn Fernwerke sind eher süddeutsche Orgelbautradition. Auf der Tour lernten wir auch ein wenig Hamburger Dialekt: Die Stadtführer werden hier nämlich Heilücht genannt, was so viel wie „er lügt“ bedeutet.

Gegenüber des Michel ging es dann zum Essen im Old Commercial Room, in dem bereits viele Persönlichkeiten, wie die Bundeskanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt, gegessen haben. Einige von uns probierten zum ersten Mal original Hamburger Labskaus und waren ganz begeistert über den Geschmack.

Nun ging es zum ersten Konzert nach Eppendorf in die Bethanien-Kirche. Die erneut heißen Temperaturen erschwerten uns die Ansingprobe. Um 19 Uhr begann der erste, geistliche Teil des Konzerts mit dem Hymnus „Te lucis ante terminum“ von Thomas Tallis, welcher bereits bei den Chortagen zum Besten gegeben wurde. Im weiteren Konzertverlauf wurden Werke von Schütz, Hauptmann und Liszt vorgetragen. Der geistliche Teil klang mit dem Segenslied „The lord bless you and keep you“ von John Rutter aus.

Danach folgte ein weltlich geprägter Teil aus verschiedenen Arrangements, darunter das vom JuCo erstmals aufgeführte Stück „die Gedanken sind frei“, für Chor arrangiert von Oliver Gies. Natürlich konnten wir nicht ohne ein schwäbisches Stück in Hamburg konzertieren und so wurde das schwäbische Quodlibet, eine Sammlung von verschiedenen schwäbischen Volksliedern, aufgeführt. Eindrucksvoll endete das Konzert mit dem Psalm 150 in einer brasilianischen Vertonung von Ernani Aguiar.

Bei erfrischenden Getränken ließen wir das Konzert ausklingen. Danach sollte es in den Park Planten un Blomen zu einem Wasserlichtkonzert gehen. Allerdings musste der Ausflug ausfallen, da das sich seit Tagen angestaute Gewitter nun losbrach.

Am Samstag wurde das neue Wahrzeichen Hamburgs, die Elbphilharmonie, besichtigt. Leider konnten nur Tickets für die Plaza erworben werden, die einen kleinen Vorgeschmack auf den Ausblick aus den Hotelzimmern und die Architektur des Gebäudes gaben.

Die freie Zeit bis zum Konzert wurde unterschiedlich genutzt: Besichtigt wurden das Schanzenviertel, das Miniaturwunderland und die Kunsthalle.

Danach stand das zweite Konzert in der Friedenskirche Berne an. Das Konzert wurde in Kooperation mit dem Berner Frauenchor und der Biografiewerkstatt gegeben.
Passend zu den Stücken wurden Teile aus Biografien von Menschen aus Hamburg vorgelesen. Zu „Only you“ wurde von einer romantischen Liebesgeschichte berichtet und zu „Die Gedanken sind frei“ die Reise eines jungen Mädchens von der brasilianischen Provinz in die Stadt Buenos Aires erzählt.
Der engagierte Frauenchor hatte ein großes Kuchenbuffett für die Konzertbesucher und die Mitwirkenden vorbereitet, sodass sich alle in der Pause stärken konnten.
Um die Zusammenarbeit der beiden Chöre für das Konzert zu zeigen, wurde zum Schluss gemeinsam das Segenslied „Möge die Straße“ gesungen und so ein toller Abschluss geschaffen.

In der Wandelhalle des Hauptbahnhofs gab es die Möglichkeit sich etwas zu Essen auf die Hand zu kaufen, bevor es am letzten Abend auf die Reeperbahn ging. Mit einem sehr jungen Guide lernten wir die verschiedenen Seiten des Bezirks St. Pauli kennen, erfuhren woher die Reeperbahn ihren Namen bekam und lernten in welche Kneipen wir eher nicht gehen sollten.

Ein kleiner Trupp von sechs Leuten hielt es bis 5 Uhr aus und ging auf den berühmten Fischmarkt am Hafen. Passend zur Jahreszeit gab es dort allerlei Früchte und Säfte und viele Familien machten bereits ihren Wochenendeinkauf. In der Auktionshalle spielte eine Band und die feiernden Menschen strömten von der Reeperbahn in die Halle und die Party ging weiter.

Trotz vieler Turbulenzen, Sperrung des Hamburger Flughafens wegen eines Kurzschlusses, Zugverspätungen von bis zu zwei Stunden und viel Stau, fand jeder wieder den Heimweg ins Ländle.
Wir blicken auf ein großartiges langes Wochenende zurück und danken allen Organisatoren in den Gemeinden und in den eigenen Reihen.

F. Theis

 

Am Freitag, den 20. April 2018 um 19.30 Uhr, hat der Junge Chor Stuttgart e.V. unter der Leitung
von Paul Theis einen „Evensong“ (Abendlob) in der katholische Kirche St. Fidelis gestaltet.

Bei dieser geistlichen Abendmusik, die im Rahmen der Stuttgarter Chortage stattfand, wurde der Chor 
vom "musikalischen Hausherrn" und Stuttgarter Regionalkantor Tobias Wittmann als Organist bzw. Solist,
sowie Magnus Rook als Sprecher begleitet.

Der "Evensong", einer aus der anglikanischen Kirche stammenden Gottesdienstform, stellt das
gesungene Gebet in den Vordergrund. Dabei feiert der Chor das Abendlob ursprünglich sogar nur für sich
selbst; doch zeugten die zahlreichen Besucher für ein reges Interesse an diesem liturgisch geprägten
Programm.

Chorleiter Paul Theis gelang es, einen großen musikalischen Spannungsbogen zu schlagen: vom      
gregorianisch geprägten Werk von T. Tallis "Te Lucis Ante Terminum", über den deklamierenden   
Charakter des "Magnificat" von H. Schütz, außerdem das schwungvolle "Dies ist der Tag" von G.A.   
Homilius bis hin zu F. Liszts expressiven "Ave Maris Stella" mit anspruchvollem Orgel-Zusammenspiel  
sowie den sphärischen Klängen in M. Lauridsens "Ubi Caritas et Amor". Besonders eingängig waren     
außerdem die im Stile der Romantik angelegten Vertonungen von M. Hauptmann ("Meine Seel' ist   
stille"), J. Rutter ("The Lord bless you and keep you") und natürlich J.G. Rheinbergers bekanntes 
"Abendlied" zum segensreichen Abschluß.

Der Chor trug die Werke seines Programms nicht nur mit großer Emphase und versierter Stilistik der  
unterschiedlichsten musikalischen Epochen vor, sondern verstand es auch den gesamten Kirchenraum    
klanglich zu nutzen, mit verschiedenen Aufstellungen auf der Empore, unter den Torbögen und       
schließlich vor dem Altar-Raum. Eine rundum gelungene und eindrucksvolle Veranstaltung!

 

 

 

 

 

 

BILDER: Holger Frank Heimsch

PRESSE-ECHO PAULUSKONZERT KÖNGEN

 

 

Quelle: "Nürtinger Zeitung" (Region Wendlingen) vom 13.11.2017. Autor: Reiner Wendang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


KONZERTBERICHT PAULUS STUTTGART

von Gesine Kudermann

Viel Beifall für eine einfühlsame Darbietung

Für sein 50. Jubiläumsjahr hatte sich der Junge Chor Stuttgart einiges vorgenommen. Dieser feierliche Anlass sollte, angepasst an das breit gefächerte Repertoire des Chores, sowohl mit einem weltlichem Konzert, welches bereits im Juli stattfand, als auch mit einem Kirchenkonzert gefeiert werden. Die Auswahl des Chores fiel auf ein nicht allzu häufig aufgeführtes Oratorium von Mendelssohn Bartholdy: Das Paulus-Oratorium. Das Ensemble stellte sich somit sowohl der musikalischen Herausforderung, ein großes Oratorium innerhalb weniger Monate einzustudieren, als auch dem wirtschaftlichen Risiko, welches die Aufführung mit einerseits nicht unerheblichen Ausgaben, andererseits jedoch schwer kalkulierbaren Einnahmen darstellte. Umso bedauerlicher ist es für die Veranstalter, dass die Stuttgarter Matthäuskirche gerade mal gut zur Hälfte gefüllt war.

Das Oratorium, in zwei Teile gegliedert, beschreibt den Werdegang vom Saulus zum Paulus, wobei der erste Teil seine Verfolgung der Christen mit dem Märtyrertod des Stephanus durch Steinigung schildert und das Damaskuserlebnis mit der Erscheinung Christi. Der zweite Teil erzählt von seiner Arbeit als Missionar und den damit verbundenen Erlebnissen und Gefahren. Mit den ersten Klängen, welche geheimnisvoll aus der Tiefe erklangen, wurde der Zuhörer in den Bann einer zunnehmenden Dramatik der Ereignisse einbezogen. Der Junge Chor und das Instrumentalensemble Camerata Grinio unter der Leitung des Konzertmeisters Joachim Ulbrich setzten die Biographie des Apostel Paulus äußerst wirkungsvoll in Szene. Mit Bravour erfüllte der Chor die ihm jeweils zugedachte Rolle, sei es als hasserfüllte Menschenmenge oder aber als göttliche Stimme. Er beeindruckte mit ausgewogenen Stimmen und einer allzeit gegenwärtigen Präsenz. Als Erzähler wirkten die Solisten Alexander Efanov (Tenor), der seinen Part mit viel Empathie vortrug, sowie Gundula Peyerl, die mit einer glasklaren Sopranstimme überzeugte. Jens Paulus bot mit seiner warmen Bassstimme eine glaubhafte Darstellung des Paulus. Weitere Soloparts wurden durch Chorsolistinnen und -solisten besetzt, die ebenfalls durch versierte Vorträge überzeugen konnten.

Auch die Camerata Grinio wusste Akzente zu setzen und trug mit einer ausgereiften Darbietung maßgeblich zum Erfolg dieses musikalischen Projektes bei. Mit seinem unaufgeregten, aber souveränen Dirigat gelang es Paul Theis während der gesamten 2 ¼ Stunden den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Kaum dass der letzte Ton verklungen war, löste sich diese jedoch in einem großzügigen und hochverdienten Applaus.

 

"Best of 50 Jahre Juco"- so lautete das Motto am 8.7.2017 für das Jubiläumskonzert des Jungen Chors Stuttgart e.V. (Juco). Die schwüle Hitze an jenem Samstag bot nicht gerade ideale Bedingungen für diesen besonderen Anlass... und dennoch versammelten sich zahlreiche Zuhörer im immerhin wohl klimatisierten Rudi-Häussler-Saal des Bürgerforums in Stuttgart-Vaihingen, darunter waren auch viele Fans und Ehemalige des Chores.

Ein halbes Jahrhundert Juco! Natürlich sollte das Konzert v.a. dazu dienen, den Werdegang des Ensembles  seit 1967 sowohl musikalisch als auch anekdotisch nachzuzeichnen. Christine Reber, seit einigen Jahren als Stimmbildnerin für viele Chorsänger tätig, moderierte mit charmanten Ansagen durch das Programm und brachte das Publikum mit wohl-pointierten Kurzgeschichten aus der Juco-Historie zum Schmunzeln. So assistiert, konnte sich Chorleiter Paul Theis diesmal ausschließlich auf das Dirigat und die tlw. sehr anspruchsvolle Klavierbegleitung konzentrieren.
Das musikalische Programm stellte natürlich die gesamte Bandbreite des Chor-Repertoires in den Mittelpunkt, bestehend aus geistlichen und weltlichen Stücken unterschiedlichster Epochen, d.h. sowohl "alter" klassischer Werke als auch "neuer", modernerer Arrangements.

Ein frischer Konzertauftakt gelang mit Thomas Morleys "Sing we and chant it". Dieses Stück befand sich u.a. bereits im Gepäck der Chor-Reise von vor über zehn Jahren nach Irland. Das folgende Werk "Matona mia cara" von Orlando di Lasso ist nunmehr ein wahrer Juco-Klassiker geworden, der ebenfalls schon auf einer Konzertreise zu hören war - in diesem Fall am Gardasee. Es handelt von einem armen deutschen Landser-Tropf, der leider wenig charmant, sondern eher recht plump und noch dazu in schlechtem Italienisch seine Angebetete 'herumzukriegen' versucht.

Der Programmabschnitt der geistlichen Stücke wurde vom "Psalm 23" eingeleitet, der von Franz Schubert für Frauenchor geschrieben wurde. Mit einer einfühlsamen Interpretation über Hoffnung und Trost und einem sauberen, transparenten Klang unterstrichen die Juco-Damen die Aussagekraft dieser Komposition. Auch beim anschließenden Spiritual "Soon ah will be done" kam der eindringliche Wunsch nach Überwindung der "Troubles of the World" mit Gottes Hilfe zum Ausdruck. Der Zyklus der geistlichen Werke wurde mit der Aufführung des "Psalms 269" beschlossen, in welchem der Wiener Komponist Peter Planyavsky die beiden Psalme 148 +121 (Lobet den Herrn vom Himmel her / Ich hebe meine Augen auf) - etwas ironisch - einfach miteinander addiert hat. Auch hier setzte der Chor das effektreiche Arrangement gekonnt und mit großer Feinfühligkeit um.

Die nächste Station auf der Reise durch die Juco-Musikgeschichte war die Romantik. Bei diesem Programmteil sowie im weiteren Konzertverlauf bewies der Chor mit 8 Solisten (Alexandra, Jasmin, Ines, Anke, Ben, Sebastian, Matthias und Manuel) aus den eigenen Reihen sehr eindrucksvoll, dass er bezüglich wohlklingender Stimmen aus dem Vollen schöpfen kann. Zunächst stand Schumanns "Zigeunerleben" auf dem Programm, ein wahrer Evergreen des Juco-Repertoires. Sowohl die Solisten als auch der Chor brachten die in der Vertonung thematisierte Bewunderung und geheimnisvolle Faszination für das fahrende Volk hörbar zum Ausdruck. Erstmalig im Repertoire waren Stücke aus Schumanns Romanzen und Balladen zu hören: Zuerst "Der Rekrut", in dem die Tapferkeit von einem Jung-Soldaten namens "Johnnie" besungen wird, gefolgt von den beiden melancholischen Kompositionen "Der traurige Jäger" und "Im Walde". Den Ausflug in die Romantik beendeten die temperamentvollen "Zigeunerlieder" von Brahms, die ebenfalls zum traditionellen Juco-Fundus zählen. Hierbei konnte nicht nur der Juco, sondern auch Chorleiter Paul Theis sein Können unter Beweis stellen, denn ihm gelang die z.T. äußerst virtuose Begleitung am Flügel bei gleichzeitigem Chor-Dirigat bestens... Respekt! Und da sage noch einer, Männer seien nicht zum Multi-Tasking fähig... :-)

Dass sich der Juco auch in der Musik der Neuzeit zuhause fühlt, zeigte er u.a. mit dem wehmütigen Stück "And so it goes" von Billy Joel und dem bekannten 80er-Jahre-Hit "Mambo" von Herbert Grönemeyer, welcher von der erfolglosen Suche nach einem Parkplatz in brütender Sommerhitze erzählt und den Protagonisten damit reichlich aus der Fassung bringt. Oliver Gies als (auch im Juco!) sehr beliebtem Arrangeur wurde mit seiner Cross-Over-Variante von Mendelssohns "O Täler weit" gedacht sowie mit seiner überraschend philosophischen Komposition "Kuscheln, Sex und Händchenhalten". Besonders die Männer sorgten bei beiden Stücken für einen spürbaren "Groove".
Zum Tribut an die folkloristische Musik, die anfangs ein Repertoire-Schwerpunkt in der Chor-Geschichte war, wurde eine träumerische Variante des Volkslieds "Kein schöner Land" zum Besten gegeben. Mit swingenderen Klängen verabschiedete sich der Chor erst mit Duke Ellingtons "It don't mean a thing" von seinen Zuhörern und durfte anschließend bei der Zugabe des originellen "Salmo 150" vom brasilianischen Komponisten Ernesto Aguiar noch einmal 'Gas geben' und pure Lebensfreude zeigen.

Tatsächlich konnte der Juco einmal mehr seine Vielfalt unter Beweis stellen. Mehr noch: Das Publikum bestätigte Beifall klatschend, dass genau dies das Einmalige am Juco ist: wie selbstverständlich den Bogen von weltlich über geistlich, von di Lasso und Brahms bis hin zu Grönemeyer zu spannen! Gratulation an das Ensemble und vor allem an Chorleiter Paul Theis für diese sehr ansprechende und v.a. abwechslungsreiche Aufführung!

Der "Apres-Chor" wurde zunächst mit einer würdigenden Rede des Leiters des Stuttgarter Chorverbands, Jürgen Grieb, eröffnet. Die anschließende Feier in familiärer Atmosphäre, die von vielen aktiven Helfern fleißig organisiert wurde, gestalteten die beiden Vorstände Silke und Matthias sehr unterhaltsam und rundeten damit die Veranstaltung zu einem sehr gelungenen Abend ab. Allen Beteiligten hat es offensichtlich sehr viel Spaß gemacht! Der Juco bedankt sich herzlich bei allen Besuchern und Spendern.

/AK

Traditionell sangen im Gottesdienst nur Priester und Chöre. Dies änderte die Reformationsbewegung grundlegend, denn sie stützte sich sehr stark auf das gesungene Wort. So dichtete und komponierte Luther für seine Anhänger immer wieder eingängige Strophen zum Mitsingen. Damit sorgte er letztlich auch dafür, dass die Gesangbücher für die Gemeinden Verbreitung finden konnten. Das 500. Jubiläums-Jahr der Reformation begingen die Staatlichen Schlösser und Gärten mit der Musikreihe "Voller Klang auf dem Württemberg". Der Junge Chor Stuttgart war zu diesem Anlass am 2. Juli 2017 bei zwei Matinee-Konzerten in der Grabkapelle zu hören.

Für Martin Luther, der selbst auch ein leidenschaftlicher Sänger war, hatte das Buch der Psalmen eine sehr große Bedeutung. Er nannte es die „kleine Biblia“ und wies damit auf den umfassenden religiösen Reichtum der Psalter hin. Folglich begann der Chor seinen Auftritt mit einem ideenreichen Arrangement der beiden Psalme 148 +121 (Lobet den Herrn vom Himmel her / Ich hebe meine Augen auf), die der österreichische Komponist Peter Planyavsky augenzwinkernd zum "Psalm 269" zusammen gezählt hat.

Eine weitere Luther-Dichtung präsentierte der Juco anschließend mit "Ein feste Burg ist unser Gott", bei dem auch die zu Grunde liegende Melodie als Werk des Reformators gilt, der damit seine Botschaften an Ohr und Herz der Zuhörer zu bringen suchte. Dies ist ihm bei diesem Stück vor allem mit der symbolreichen Sprache gelungen, die Gott als Schutz für die Ewigkeit sowie als Quell von Hoffnung und Vertrauen beschreibt. Dieses Identifikationslied aller Protestanten wurde von Heinrich Heine gar als "Marseillaise der Reformation" bezeichnet. Die vorgetragene Vertonung verfasste Hans Leo Hassler, der ca. ein halbes Jahrhundert nach Luthers Lebzeiten gewirkt hat.

Im Anschluss folgte "Die beste Zeit im Jahr ist mein", dessen Text ebenfalls aus der Feder Luthers stammte. Arnold Mendelssohn, ein bedeutender evangelischer Kirchenmusiker des 19./20. Jhd., komponierte die Melodie zu diesem Satz. Er gehörte der bekannten und ursprünglich jüdischen Familie Mendelssohn an; sein Vater war ein Cousin des berühmten Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy. Dennoch war er ein Anhänger der allgemeinen Taufe aller Juden und vertrat den Wunsch nach völliger Assimilation mit den christlichen Glaubensbrüdern.

Den Höhepunkt der Aufführung stellte das intensiv deklamierte "Ave Maria" dar. Manch ein Zuhörer mag verwundert gewesen sein über die Auswahl dieses Stücks ausgerechnet in einem Programms zu Ehren der Reformation. Doch Chorleiter Paul Theis erläuterte, dass Luther selbst auch Marienpredigten hielt und sie als Beispiel menschlicher Demut und Reinheit in seinen Schriften sehr schätzte. Mit dem beseelten und feierlichen Vortrag von Sergej Rachmaninovs Werk wurde außerdem noch ein Bezug zur russisch-stämmigen Königin von Württemberg und ihrer Grabkapelle hergestellt.

Die abschließende Vertonung des "Salmo 150" vom brasilianischen Komponisten Ernani Aguiar griff die Würdigung der Psalmen als das reichste Werk der biblischen Dichtung im lutherischen Sinn nochmals auf. Das Konzert endete mit einem prächtigen Fortissimo-Schlussakkord in der wirkungsvollen Akustik des Kuppelraums.

/AK

Programm "Frühlingsfrische Chormusik" im Nikolaus-Cusanus-Haus

Stuttgart Birkach, 13.Mai 2017

Thomas Morley                   Sing we and chant It

Orlando Gibbons                 The Silver Swan

Orlando di Lasso                 Matona Mia Cara

Franz Schubert                    Psalm 23 für Frauenchor

Robert Schumann                Romanzen und Balladen op. 75

Johannes Brahms                Zigeunerlieder op. 103

Percy Grainger                     Londonderry Air

Matyas Seiber                      There was an old man

Duke Ellington                      It don't mean a thing

O. Gies                                 O Täler weit (nach Mendelssohn)
.                                            Kuscheln...

Zuccalmaglio/Buchenberg   Kein schöner Land

/AK